Allein ans Ende der Welt Reisebericht Patagonien Januar/ Februar 2006 von Petra Böhme |
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| Ich sitze auf dem Flughafen „ Arturo Merino“ in Santiago de Chile und warte auf meinen Flieger, der mich über Atlanta, Paris nach Berlin/ Tegel die ca. 15 000 km nach Hause bringen soll, zurück auf die Nordhalbkugel, heim nach Deutschland. Hier in Santiago ist Sommer mit guten 35 Grad und letzte Woche hatte Guben bei Nacht wohl sogar nur 23 Grad Minus!!!! Will ich wirklich zurück? Na klar- Tochter Laura, Eltern Freunde erwarten mich, die hoffentlich gewordenen Fotos und die vielen Geschichten dazu. Hinter mir liegen 4 Wochen Abenteuer, 6000 km Busfahrt durch Chile und Argentinien `s Süden – Patagonien. Ich habe Landschaften, Berge, Tiere gesehen, erwandert, erlebt- die ich bisher nur aus Buch, Zeitung und Fernsehen kannte. Ich habe viele fremde Menschen getroffen, die ich jetzt als Freunde zurück lasse. | |
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Aber jetzt der Reihe nach: Im Juni habe ich für meinen Lebengefährten, 2 Freunde und mich Flugtickets über das Internet gebucht. Wir wollten zusammen nach Chile in den Torres del Paine Nationalpark und eine Trekkingtour machen. Leider verwirkten ein Unfall, die folgende OP und die lange Heilungsphase den Plan für mich vollkommen. Ich musste mir etwas Anderes einfallen lassen. So entstand der Plan- allein ans Ende der Welt und mit dem Bus ein Stück zurück zu fahren. Vor 4 Wochen dann nach ca. 20 Stunden reine Flugzeit bin ich mit den anderen Dreien in Santiago de Chile gelandet und gleich ging es weiter mit einem kleinen Flieger 4 ½ Stunden Richtung Süden nach Punta Arenas, direkt an die Magellanstrasse. Sie ist die südlichste Kontinentalstadt der Welt auf 70Grad, 54min westl. Länge und 53 Grad, 10 min. südl. Breite. Punta Arenas- sandige Spitze. Mitte des 19. Jh. gegründet, früher eine sehr wichtige und reiche Hafenstadt. Pflicht ist hier ein Besuch auf dem Friedhof. Er ist Nationaldenkmal mit seinen Mausoleen und Zeugnis des verflossenen Reichtums der alten großen Estanzia- Besitzer. Aber auch Mahnmal für die skrupellose Abschlachtung der einstigen Besitzer dieses Landes, der Indianer. Auf den unzähligen alten Grabsteinen, Kreuzen lesen sich die Namen der Einwanderer sämtlicher europäischer Nationen. Man kann nur erahnen, wie viele hier nicht ihren großen Traum erfüllen konnten. Etwa 35 km nördlich von Punta Arenas liegt Seno Otway. Hier leben ca. 10 000 Magellanpinguine in einer weiten Wiesenlandschaft. Die nur etwa 60 cm großen Vögel ziehen hier von Oktober bis März ihre Jungen auf. Über all schauen sie aus ihren Höhlen, sonnen sich, schimpfen, putzen das Gefieder oder watscheln zum Wasser. Dort zeigen sie was für elegante, flinke Schwimmer und Taucher sie sind. Ich kann mich gar nicht satt sehen an diesen putzigen Frackträgern. |
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Abend sitze ich mich mit einer kleinen Flasche Rotwein, Oliven Käse am Ufer el Estrecho de Magellanes ( Magellanstrasse) , spüre trotz Sommer den eisigen Wind der von Feuerland kräftig die Wellen an das Ufer wirft und langsam gehen die Sterne über Feuerland auf. Am nächsten Morgen bringt mich der Bus Richtung Norden nach Puerto Natales. Eine kleine Hafenstadt am Fjord Ultima Esperanza, die heute fast nur noch vom Tourismus lebt. Auch hier weht ein eisiger Wind. Aber auf den Strassen geht es heiß her. In Chile wurde gewählt abends steht fest, Chile hat seine 1. Präsidentin Michele Blanchenet. Die halbe Stadt scheint im Auto zu sitzen und fährt laut hupend mit wehenden Fahnen und Postern bewaffnet durch die Strassen. Mich als Deutsche fragt man – ihr habt doch auch eine Frau- ich staune, gut informiert hier. Früh fahre ich mit dem 1. Linienbus in den Torres del Paine Nationalpark. Es sind nur120 km, aber man fährt gut 3 Stunden, denn die Strasse ist nur eine Schotterpiste. An der NP-Grenze zahlt jeder Fahrgast die obligatorischen 10 000 CLP (Chilenische Peso) Eintritt (ca.15,- Euro) Da sehe ich auch die Torres del Paine Türme, leider fast vollständig in schwarze Wolken gehüllt. Also ist es wohl besser weiter zum Lago Pehoe zu fahren, der NP ist groß. Aus dem Busfenster sehe ich über der Pampa den Condor gleiten- wie riesig groß er ist. Neben der Strasse grasen überall Guanakos, Flamingos stehen im flachen Wasser- ich bin fasziniert. Von Pehoe beginnen die meisten Touristen ihre Trekkingtour, ob die anderen 3 auch von hier gestartet sind? Ich wandere gemütlich ohne Rucksack bis zum Lago Nordenskjöld vorbei am riesigen Wasserfall. Mein einziger Begleiter ist der fast umwerfende Wind. Immer wieder muss ich mich auf den Boden hocken, damit der patagonische Wind mich nicht mitnimmt. Am Aussichtspunkt stehe ich dem Cerro Principal (2500m) gegenüber- atemberaubend schön wie er majestätisch vor dem sonnig, blauen Himmel steht. |
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| In einer windgeschützten Ecke genieße ich mein Picknick und das grandiose Panorama. Auf dem Weg zurück ein kleines Sonnenbad am Lago Nordenskjöld, bin ja hier ganz allein. Aber mit schweren Folgen- roter Bauch mit kleinen weißen Bläschen. Da schlaf ich die nächsten Nächte wohl nur auf dem Rücken. Das Ozonloch soll hier gefährlicher als in Australien sein, gelesen hatte ich so etwas. Mit dem letzten Bus fahre ich erst zurück, es ist so schön hier. Am nächsten Morgen verlasse ich Chile mit dem Bus, neben mir sitz Dorothea aus Bremen (60)! Die Einreise nach Argentinien unkompliziert nur der Reisepass ist nötig. Kein Obst, Pflanzen, Tiere oder Tierprodukte dürfen eingeführt werden. Also schnell den Yoghurt ausgelöffelt. Mein erstes Ziel El Calafate am Lago Argentino, größter See Argentiniens, drittgrößter Südamerikas- das Tor zum NP „ Los Glacieres“ . Von hier kann man mit Booten den Glaciar (Gletscher) Upsala, mit 595 km² Fläche einer der größten der Welt, erreichen. Und genau das mache ich gleich Morgen. | |
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| Ich hatte zu Hause gelesen, Argentinier haben eine besondere Vorliebe für Mate Tee. Kein Argentinier geht ohne Mate, Kalebasse (aus der trinkt man), Bombilla ( da zu gehörendes Saugröhrchen) und Thermoskanne mit 70 Grad heißen Wasser aus dem Haus. Ich sitze in dem Katamaran, das Boot legt ab…. Taschen auf und der Mate wird angesetzt. Ich bin sprachlos. Aber nicht sehr lange an, Argentinier sind sehr offen, und gesellig. Da muss ich als einzige Deutsche auf dem Boot erstmal Mate trinken, dann auch Kaffee und über mich, meine Reise, Deutschland. erzählen. | |
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| Später am Gletscher hat natürlich auch jemand Whisky dabei. Naja und mit 500 Jahre altem Eis schmeckt der Whisky egal ob gerührt oder geschüttelt. Man sagt Gletschereis getrunken verjüngt mindestens 10 Jahre, hoffe der Alkohol verdirbt die Wirkung nicht! In der Frühe ein neues Abenteuer. Ein Bus bringt mich zum Gletscher Perito Moreno, einer der wenigen noch wachsenden Gletscher dieser Welt. Er ist 32 km lang, die Eiswand der 4 km breiten Gletscherzunge ist 60 m hoch. Er ist unbeschreiblich schön. | |
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| Das Eis leuchtet in so vielen verschiedenen Blautönen, es knackt, knarrt. Serac für Serac stürzt in das milchige Wasser. Mal gibt es kleine, dort wieder große Wellen. Der Wind weht eisig vom Gletscher herüber. Es ist trotz Sonne, Sommer furchtbar kalt, aber man kann den Blick nicht von dem eisigen Riesen lassen. | |
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| Den nächsten Vormittag fahre ich mit dem Bus zu meinem neuen Ziel El Chalten -El Tschalteen gesprochen. Das ist der ursprüngliche Name des Berges den wir Fitz Roy nennen, in der Sprache der Ureinwohner, der Teheluche Indianer. Ein kleines Dorf am Zusammenfluss von Rio Fitz Roy und Rio las Vueltas. Es besteht fast nur aus Herbergen, Hotels und Verwaltungsgebäuden. Ein Dorf mit einem absolut traumhaften Panorama. Cerro Torre und Fitz Roy thronen, mit etwas Glück vor blauen Himmel, gleich hinter dem Dorf. Hier kann man sehr schöne Tagestouren machen allein auch ohne Führer. Am Abend treffe ich mich mit neuen Freunden aus El Calafate. Gemmina ist Argentinierin und übernimmt das Essen bestellen. Jetzt weiß ich wie gut Asodo schmeckt und was ein Pinguinwein ist. Am nächsten Morgen wandere ich mit Jacqui (Kanada) 4 Stunden am Rio Fitz Roy hinauf zum Campamento de Jim Bridwell am Lago (See) Torre. Dahinter thronen die Cerro Adelas und der Cerro Torre vor strahlendem Azurhimmel. | |
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| Was für 2 Glückskinder wir doch sind, so ein Wetter- Sonne, Windstill, das in Patagonien. Gibt es einen schöneren Ort für ein Picnic? Käse, Weintrauben, Wurst, Oliven, klares Gletscherwasser, zum Nachtisch noch etwas Gletschereis zum Lutschen- ach was geht es uns gut! Tja aber dann müssen wir doch langsam los, 4 Stunden Fußmarsch liegen noch vor uns. Den Blick ab und zu zurück, aber da haben sich die Türme schon wieder ganz in Wolken eingehüllt. Im waldigen Blätterdach über uns ein Gezeter- Oh Cachana-Smaragdsittiche. Ihr grünes Federkleid tarnt sie gut in den Bäumen. Abend sind wir total fertig. Heute probieren wir Trucha (Forelle). Zum Essen gesellt sich Dorothea dazu, sie ist gerade angekommen. Schön, Jacqui reist morgen weiter und so kann ich mit Dorle wandern. Bei Tagesbeginn ein Blick aus dem Fenster, sehr windig aber Sonne. Das erste Stück Weg ist sehr steil, belohnt uns aber nach einer Stunde mit einem grandiosen Blick auf das gesamte Massiv mit dem überragenden 3 441m hohen Fitz Roy. Weiter geht es durch den Wald. Fast alle Bäume mit dickem Moos bewachsen, man hört den Magellanspecht, ein schwarzer Specht mit feurig rotem Kopf bei der Arbeit. Vor uns wächst der Fitz Roy und anfängliche Wolken bläst der starke patagonische Wind einfach weg. Die Flussquerrungen über den Rio Blanco sind ungefährlich und zum Teil mit urigen Brücken leicht zu meistern. | |
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| Bis zum Campingplatz Campamento Poincenot ist der Weg für Dorle gut zu schaffen. Die letzte 1 ½ h führt der Weg über loses Geröll steil bergauf- hier ist schon Trittsicherheit gefragt. Wie eine kleine Bergziege springe ich voller Elan allein weiter up, up, up- voller Vorfreude, was ich wohl gleich sehen werde. Dann stehe ich oben auf dem Geröllberg und schaue hinab zum Lago Blanco de Los und halte kurz den Atem an. Schnell hüpfe ich von Stein zu Stein zum Gletschersee hinab. Und da stehe ich wie versteinert. Senkrecht vor mir, mein Gott ist er schön - El Chalten- Fitz Roy. | |
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| Deutlich sehe ich die Royal Flash Route von Bernd Arnold als Erstbegehung vor mir. 3 410m steiler Kletterfels der majestätisch in den Himmel ragt. Mein Gott ich stehe wirklich hier! Mit großen Augen laufe ich um den Lago Blanco de Los zum Glaciar de Los Tres (Gletscher der Drei). Hier am Fuß des Fitz Roy stürzt ein Teil des Gletschersees viele hundert Meter tief in den Lago Suica was für ein Bild. Das kann man auf keinem Foto festhalten. Ganz verzückt sitz ich zu Füßen seiner Majestät und bin überglücklich. Aber langsam holt mich die Realität wieder ein. Dorle wartet und 5 Stunden Fußmarsch trennen uns von El Chalten. Abend genießen wir Huhn in Orangensoße- echt lecker! Es ist schon wieder ein Abschiedsessen. Morgen fahre ich weiter. 6 Stunden bis El Calafate zurück, denn El Chalten ist eine Sackgasse. Die eine Nacht schlafe ich wieder im Los Americanos. Bei meiner Ankunft im Hostel (Jugendherberge) werde ich mit Küsschen begrüßt und ich muss erstmal erzählen wie es war. In Argentinien ist man nicht allein, es sei denn man will es. Dieses Hostel war aber besonders schön. Ich hatte es wie die meisten Unterkünfte bereits von Deutschland aus über die Internetseiten des Internationalen Jugendherbergswerks gebucht. Mit der defekten Schulter wollte ich nicht ewig durch die Stadt ziehen und ein Zimmer suchen, außerdem ist ein Bett im Hostel sehr preiswert und es ist sehr ordentlich. Am nächsten Morgen mit dem 1. Bus 5 Stunden bis Rio Gallegos -eine Hafenstadt am Atlantik. Hier umsteigen in einen Coche Cama Bus – die First Class der Reisebusse. Breite Ledersitze zu Liegen verstellbar, viel Beinfreiheit, leckeres Abendessen dazu Rotwein, ein Kinofilm vor dem Einschlafen, so kann Reisen echt angenehm sein. 18 Stunden Bus fahren 1600 km für 158,- ARG $ (Argentinische Peso) = ca. 43,- Euro leicht erschwingliche Luxus, hier! Heute am 26. 01. 2006 ist nun schon Halbzeit- mein Gott wo ist die Zeit geblieben. Gegen Mittag komme ich gut, aus geschlafen, in Puerto Madryn an. Mein Hostel hier im Zentrum, 300m vom Strand entfernt. Die erste Stadt für mich mit vielen Menschen, Urlaubern nach dem ruhigen besinnlichen Patagonien, ein kleiner Kulturschock. Es sind Schulferien in Argentinien und viele Familien aus Buenes Aires machen hier Ferien. Frag einen Argentinier wo er her ist, meist die gleich Antwort- Buenes Aires. Mit Vororten hat Buenes Aires ungefähr 12 Mill. Einwohner. Jeder 3. Argentinier lebt dort. Puerto Madryn ist ein guter Ausgangspunkt um auf die Peninsula Valdez zu fahren, das Tierparadies schlechthin. Valdez eine 3625 km² Halbinsel, mit Steilküsten, Salzseen und weiter Pampa. Der tiefste Punkt der Insel liegt 35 m unter dem Meeresspiegel. Bekannt ist die Insel vor allem wegen ihrer reichen Tierwelt. Hier leben Schafe, Guanakos, Füchse, Nandus, Vögel, Pinguine, Seelöwen, Seeelefanten, Delphine, Wale. | |
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| Die Inselfahrt führt zu erst nach Punta Norte, hier kann man Seelöwen und ihr Familienleben beobachten. Unglaublich viele Jungen, zum Teil wie in Kindergärten auch mal von einem Seelöwen beaufsichtigt- während die Weibchen auf Nahrungssuche sind. Etwas südlicher auf der Insel eine Magellanpinguinkolonie. Es ist gerade Mittag. Groß und Klein steht am Strand den Schnabel in die Sonne- kollektives Sonnenbaden. Wem es zu heiß wird watschelt mal kurz ins Wasser. Noch südlicher in Pta. Delgada gibt es ein neues Highlight. Es ist jetzt Ebbe und wir schauen von der Klippe auf eine Seeelefantenkolonie herab. Das blaue Wasser, die grünen Algen auf dem grauen Fels kurz von dem Meer freigegeben und dazwischen die bis zu 5 Tonnen und 7 m großen Seeelefantenbullen. Die Weibchen sehen dagegen mit 5 m und „nur“ 500 kg eher zierlich aus. Sie liegen und genießen die Sonne. Bewegungen an Land wirken sehr schwerfällig. Ein Bulle kann einen Harem von bis zu 80 Weibchen haben. Ich sehe aber auch einige Bullen die nur mit einem Weibchen und ihrem Jungen etwas abseits der Anderen in einer Sandmulle in der Sonne dösen. Ähnliches Verhalten habe ich auch bei den Seelöwen beobachtet. | |
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| Zum Abschluss der Tour, geht es mit einem Boot von Puerto Piramide auf den Atlantik in den Golfo Nuevo. Ein genauer Blick auf die Kalkfelsen ist möglich, Muscheln in allen Größen, Formen, Knochen fest im Kalkstein, Zeugen des alten großen Weltmeeres. Dann wird es echt interessant. Der Bootsmotor wird ausgemacht. Ganz langsam mit viel Geschick lässt der Kapitän das Boot lautlos zu einer Seelöwenkolonie in eine kleine Bucht schaukeln. 2- 3 Meter von den Felsen entfernt, das ganze Familienleben der Seelöwen spielt sich vor uns ab. Mütter mit ihren Jungen, Seelöwen mit ihrem Harem . Aber auch das ist Leben, eine Seelöwenmutter liegt neben ihrem blutigen, toten Jungen und schubst es immer wieder an. Ein paar Meter weiter sorgt der Haremchef gerade für neuen Nachwuchs. Seine Auserwählte schaut nicht gerade glücklich unter seiner schweren Last. | |
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| Begeistert bestaune ich die Eleganz und Schnelligkeit mit der die doch zu Lande sehr schwerfälligen Tiere sich im Wasser bewegen. Absolut auffällig aber auch der stechende Geruch der Exkremente, die nächste Flut putzt den Felsen sicher wieder sauber. In der Bucht nebenan werden Taucheranzüge, Brillen, Schnorchel und Flossen verteilt. Wer will kann noch eine Stunde im Atlantik schnorcheln. Sogar für mich Zwerg ist alles passend vorhanden also nichts wie rein in das kalte Wasser. Die Unterwasserwelt ist sicher nicht so spektakulär wie vor Thailandsküste. Die Sonne scheint direkt die Felsen unter Wasser an und die kleinen Korallen strahlen in weiß und gelb. Dort ist eine weiße Qualle, ein Fischschwarm zieht an mir vorbei- zu schnell um ihm zu folgen. Interessant die Felswände, die vielen Muscheln, Knochen im Kalkstein schimmern hier unter Wasser noch viel farbenprächtiger. Ein neuer Tag ein neues Abenteuer- eine Fahrradtour zum Südlich von Puerto Madryn liegenden Punta Lomo. Hier leben Seelöwen. Mit mir radelt Christin. 17 km mit dem Rad kein Problem sind wir uns einig. Aber es ist sehr heiß, kein schattiges Eckchen und die Straße ist eine staubige, sandige Schotterpiste. Wo auch schon die Steine fliegen, wenn besonders „rücksichtsvolle“ Touristen mit 80 an uns vorbei rasen. Wir erreichen unser Ziel Punta Lomo total ko, aber ohne ernste Schäden, mir tut nur die Schulter weh. Von der Klippe ein guter Blick hinunter in die Bucht und so können wir das natürliche freie Leben der Tiere beobachten. | |
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| Und mal wieder heißt es Abschied nehmen. Die nächste Nacht schlafe ich in einem Bus. 14 Stunden fährt er über Trelew, Esquel nach San Carlos de Bariloche- die argentinische Schweiz. Ja und da ist wohl was dran, denn irgendwie fühle ich mich, hier angekommen, wie in den Alpen, auch so viele Touristen! Bariloche ist aber auch für seine gute Schokolade und sein Eis bekannt. Hier kaufe ich noch mal reichlich Matetee, den in Deutschland ist es fast unmöglich welchen zu bekommen. Will doch zu Hause weiter genießen. Mir sind das hier aber auch einfach zu viele Leute. Also fahre ich am nächsten Morgen gleich weiter. Heute sind es nur 8 Stunden mit dem Bus in das 350km entfernte Valdivia an der Pazifikküste. Über einen Andenpass verlasse ich schweren Herzen und leicht feuchten Augen Argentinien. Valdivia eine alte chilenische Hafenstadt. Von dem Fischmarkt hier bin ich voll begeistert, erstaunlich was hier alles im Meer gedeiht. Die Fischverkäufer total lieb und geduldig, erklären mir alles, lassen mich fotografieren, auch wenn ich nicht wie der potentielle Großkunde aussehe. Ich kaufe schon was: Salmon, vom Fischhändler flink zum Filet geschnitten, von gegenüber noch etwas Knoblauch, Zwiebel, Gemüse - mmm das wird schmecken heute Abend. | |
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| Aber es gibt noch mehr zu sehen. Ein kleiner Stadtbus bringt mich nach Niebla und von hier fahren kleine Boote von Insel zu Insel. Ständige Begleiter mal Einzeln, mal in Gruppe Delphine. Sie spielen mit den kleinen Booten. Auf den Inseln gibt es mehr oder weniger gut erhaltene Forts. Im Fort Corral spielt man sogar die Vertreibung der Spanier nach. Es gibt auf den Inseln aber auch ruhige Ecken wo man einen ganzen Strand z.B. nur mit Schwarzhalsschwänen teilt. Nachmittag zurück in Valdivia eine Überraschung auf dem Fischmarkt. Die Stände sind leer keine Verkäufer, keine Kunden, aber auf den von der Sonne aufgeheizten Beton am Ufer liegen Seehunde. Sie dösen in der Sonne, lassen sich von den neugierigen Zuschauern nicht stören. | |
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Valdivia wirkt sehr europäisch, fast deutsch. Das hat auch einen Grund. Mitte des 19. Jh. kamen viele deutsche Einwanderer nach Valdivia. Eine große Leitfigur dieser Zeit Karl Anwandter. Ein Museum in seinem einstigen Wohnhaus führt in die Zeit zurück und lässt den Besucher ahnen wie entbehrungsreich die ersten Jahre für die Einwanderer waren. Man klärt aber auch über die rücksichtslose Vertreibung und Ermordung der Indianer auf. Eine ganz besondere Entdeckung mache ich beim Lesen des Stammbaumes von Karl Anwandter. Seine ersten 2 Söhne sind in Guben geboren. Das ist eine spätere Nachforschung zu Hause wert, 2 Gubener im Stammbaum einer chilenischen Ikone. Der Urlaub geht langsam zu Ende, es zieht mich zum nächsten Ziel. Etwas nördlich 120km nach Villarica am gleichnamigen See. Hier wie auch in Valdivia ist ein stark erdbebengefährdetes Gebiet. Kleine Erdstösse sind normal, das letzte große Erdbeben war 1960. Es gibt ca. ein Dutzend Thermalquellen und einige Vulkane. Mich interessiert hier besonders der Vulkan Villarica. Er ist 2850m hoch, aktiv- letzter großer Ausbruch 1984. Er trägt einen sehr dekorativen Schneekragen und es ist möglich ihn bei guter Witterung zu besteigen. Mit etwas Glück kann man sogar in den rauchenden Krater schauen. Gleich nach meiner Ankunft erkundige ich mich über die Chancen. Morgen ? Ja morgen stehen die Chancen gut. Bekleidung, Helm, Steigeisen, Eispike, stellt der Veranstalter und 2 Bergführer. 36 000 CLP$ soll das Abenteuer kosten, das gibt die Reisekasse gerade noch her. |
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| Am nächsten Morgen werden Rik, Pamela, Sabina und ich um 6 Uhr aus dem Torres de Suiza unserem Hostel abgeholt. In Pucon kommt noch ein Spanier dazu. Hier werden wir auch alle eingekleidet, Die Rucksäcke werden verteilt. Da gibt es ein Problem mit meiner defekten Schulter. Meine Mitstreiter sehen das nicht so. Jeder greift sich etwas von meinem Gepäck und wir können los. Der Kleinbus fährt uns zum Fuß des Villaricas. Langsam geht die Sonne auf und färbt den gesamten Himmel feuerrot, davor der rauchende Villarica- ein gutes Zeichen? Das erste Stück bis 1400m fahren wir mit dem Lift. Erst auf dieser Höhe wird entschieden ob wir weiter gehen oder nicht. Priorität ist unsere Sicherheit. Es weht ein starker, eisiger Wind, welcher uns immer wieder den Eisregen in das Gesicht schleudert. Das Wetter wird soll besser werden - so kommt die Meldung per Funk, wir dürfen hoch. Also die Steigeisen an die Füße, Pike in die Hand und auf geht’s. Erstmal übt Gonzales unser Guide mit uns das Laufen mit den Steigeisen, wie falle ich richtig, wie bremst man mit der Pike bei einem Sturz ab. Er versichert uns, die letzten Übungen werden wir nicht brauchen. Und dann geht es steil und stetig im Serpentin aufwärts. Kurz vor dem Ziel nur brösliges Lava Gestein wir nehmen die Steigeisen ab und es gibt letzte, kurze Infos. Die letzten Meter gehen wir nur noch über Geröll, lose erkaltete Lava. Und dann stehen wir 4 mit Gonzales am Schlot. Der Qualm stinkt fürchterlich, beißt in Auge, Nase, Mund. Tief unter uns sieht man durch den dicken Rand, rot die Lava kochend hoch spritzen – Mein Gott wir sind oben, wir haben es geschafft. | |
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| Gonzales winkt uns zurück, nicht zu lange oben bleiben die Dämpfe sind giftig. 400m tiefer stoßen wir auf Pamela und Juan, den 2. Guide. Mit Sekt den Juan aus seinem Rucksack zaubert, stoßen wir an und machen Picknick. Danach wartet schon das nächste Abendteuer auf uns. 1500m auf dem Hintern den Vulkan runter rutschen. Wir 5 schauen uns fragend an, das ist jetzt nicht ernst gemeint? Doch! Kurze Einweisung wie wir mit der Eispicke bremsen und schon geht’s los. Ich rutsche als Letzter und ohne Rucksack. So kann ich mich richtig gut in die Kurven legen und den Spaß voll aus kosten. Rodeln ist ok, aber das hier ist Gaudi pur. | |
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| An der Seilbahn angekommen fragt Gonzales laufen wir runter? Na klar, wir Helden laufen. Ca. 17 Uhr sind wir zurück im Hostel, ganz schön fertig und noch total aufgeregt. Ich bedankte mich mit einer Flasche Wein bei meinen Trägern – ein wahnsinniger Tag. Den Tag danach steh ich früh auf um den Sonnenaufgang am Villaricasee mit dem Villarica als Kulisse zu fotografieren. Ganz so spektakulär wie gestern ist das Farbspiel am Himmel heute nicht, aber doch schön. Den Rest des Tages gehe ich ruhig an. Abschiedstimmung kommt langsam auf. Beim Quatschen in der Küche erwähne ich, das ich ja immer noch nicht weiß wie Pisco sour schmeckt. Adriana (Chilenin) ist schockiert. Wie lange bist in Südamerika? Sie verlässt den Raum, steht 2 min später in der Tür, zieht mich mit und kurz danach sitzen wir in einer Bar. Sie bestellt Tapas – kleine Häppchen und Pisco sour. Adriana spricht sehr deutlich und langsam spanisch und so verstehe ich doch schon eine ganze Menge. So erlebe ich meinen ersten richtigen chilenischen Kneipenabend – aber das Ende nicht mehr so ganz bewusst. Der nächste Morgen ein schweres hämmerndes Ding auf meinen Schultern, mein Kopf?! Adriana weiß Rat – komm wir fahren in die Therme. Um Villarica gibt es ca. 12 heiße Quellen. Wir fahren zur Terma Geometricas. | |
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| Eine natürliche Therme in ein schmales Tal hinein gebaut. Das Wasser 35-39 °C und in der Mitte des Tales in seinem natürlichen Verlauf der eiskalte Bach. So hält man es aus. Leider auch nicht ewig, denn heute Abend um 21:30 Uhr fährt mein Bus nach Santiago de Chile. Die letzte Station der Reise. Im Bus, welch ein Zufall, sitze ich neben Ines aus Holland, wir haben uns in dem Hostel in Valdivia ein Zimmer geteilt – Chile ist doch klein. Früh um 7 Uhr kommen wir in Santiago de Chile an. 1 ½ Tage Zeit für Santiago bis der Flieger geht. Na dann mal los. Mein Hostel liegt nur 5 Blocks vom Palacio de la Moneda, der Regierungspalast der Hauptstadt, entfernt. Hier regierte einst Allende und hier starb er auch. Für Besucher ist der Hof geöffnet. Ab hier ist es nicht mehr weit zum Plaza de Armas – der zentrale historische Platz Santiagos. | |
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| Die große Kathedrale, die Correo- Central die Hauptpost, daneben das Palacio de Real Audiencia- früher Gouverneurspalast heute das nationale Geschichtsmuseum, sehr empfehlenswert. Das Haus der Stadtverwaltung schließt sich gleich an, alles alte Kolonialbauten. Überall in der Stadt alte Kirchen – der Chilene ist ein streng gläubiger Katholik. Ich suche das Teatro Municipal ein Theater aus der Mitte des 19. Jh. Vor dem alten Theater ein großes Plakat „Tosca“. Oh man, Puccini in Santiago erleben – Wahnsinn. In der Verwaltung die Ernüchterung heute ist der 9.02 2006 und die neue Spielzeit beginnt erst im März. Die umsichtige Chilenin im Büro hat aber eine Idee. Sie schreibt mir einen Zettel und schickt mich zum Hausmeister um die Ecke. Und Bingo, gut er kann mir nicht helfen, aber er ruft Hilfe. Der nächste nette Herr bittet mich herein und führt mich durch das Theater. Eine Privatführung – ich kann mein Glück kaum fassen. Wie ich im großen Saal stehe und langsam das Licht angeht, ist es einfach unbeschreiblich. | |
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Etwas ähnlich erlebe ich es später in der Bolsa de Comercio – die Börse in Santiago. Hier stehe ich auch mitten drin und schau auf die riesigen Zahlentafeln. Auch in der Biblioteca Nacional die 1913-24 erbaut wurde, darf ich einen Blick hinein riskieren, alles vollkommen unkompliziert, einfach nur nachgefragt. 5 Millionen Titel beherbergt die Bibliothek. Der alte Lesesaal erscheint wie ein Museum – die Zeit ist hier stehen geblieben. Abend besuche ich das Centro Cultural Palacio la Moneda – riesige Ausstellungsräume unterhalb des Regierungspalastes. Hier ist zurzeit eine Wanderausstellung über die Mayas. Danach fall ich nur noch Tod in mein Bett – heute schlaf ich sogar mit 8 Leuten in einem Zimmer, mir ist alles egal. Mein letzter Tag. Früh– Pflicht! auf den Fischmarkt. Mein Gott was es hier alles gibt, Muscheln, Austern, Fische in allen Größen, Riesentintenfische… Die Fischverkäufer sind alle gut drauf. Sie zeigen stolz ihre Ware, erklären und ich darf fleißig fotografieren. |
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| Daneben der Obstgemüsemarkt mit allem was hier reift und wächst- ein Paradies. Um die Ecke das nächste Marktviertel, hier gibt es Fleisch, Käse, Haushaltswaren dazwischen kleine Gaststuben – was für ein Treiben. – Ich liebe es! Mein Weg führt mich auch in den Bellavista Bezirk, das Ausgehviertel in Santiago. Hier steht das 3. Haus von Pablo Neruda „La Chascona“. Klein und versteckt, war es doch ursprünglich ein heimliches Liebesnest für ihn und seine spätere 3. Ehefrau Matilda Urrutia. Dieser Besuch hat meine Meinung über Neruda allerdings sehr geändert. Aber er war ein Künstler und die sind wohl fast alle etwas leicht exzentrisch…. | |
Die letzte Stunde, bevor mich der Bus zum Flughafen bringt, genieße ich auf Cerro Santa Lucia, ein schöner Aussichtspunkt, von hier hat man einen traumhaften Blick über die ganze Stadt und seine wundervollen, lieben, hilfsbereiten Menschen. Ich vermisse sie schon jetzt.
Adios hasta luego chile i argentina – ich hoffe ich kann mein Versprechen halten! |
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