Ein Wochenende im Freiberger Bergbaurevier
 
Untertage in der "Reichen Zeche"
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Dieses Septemberwochenende verspricht noch einemal hervorragendes Wetter, auch wenn für die Nächte schon Temperaturen um den Gefrierpunkt hier im Bergland angesagt sind. Dieses Septemberwochenende um den 17./18. rum haben diesmal unsere Freiberger Sektionsmitglieder, Karina und Jürgen, geplant.

Als Treffpunkt und Übernachtungsmöglichkeit wurde der Touristenstützpunkt in Naundorf ausgewählt, einige Kilometer von Freiberg entfernt, wo man einerseits in schlichten Bugalows unterkommen, andererseits aber auch Zelten kann. Nachdem die Formalitäten soweit alle geregelt sind, wird in einem der Bungalows eine lange Tafel aufgestellt, an der alle Platz finden und wir den Anreisetag nach dem Abendbrot gemütlich ausklingen lassen, schliesslich sieht man sich ja nicht so oft und es gibt viel zu erzählen.

Nach dem Frühstück am nächsten Morgen setzt sich unsere Autokolonnen in Richtung Freiberg in Bewegung. Unser Ziel ist die „Reiche Zeche“ am Rande Freibergs in der einst Silbererz abgebaut wurde. Von hier oben hat man einen weiten Blick über die mittelalterlichen Gemäuer der Stadt. Als endlich alle eingetroffen sind, betreten wir den Empfangsraum. Nachdem die Eintrittskarten gelöst sind und wir auch das Modell der Zeche bewundert haben, geht es im Nebenraum eine Etage nach oben zum Um- bzw. Einkleiden. Arbeitsoverall, Helm und Gummistiefel, sowie eine Umhängelampe für Untertage sind für jeden Pflicht. Wieder Paterre nehmen wir auf den Stühlen Platz und unser eigens bestellter Führer unter Tage gibt uns einen kurzen Abriss zur Geschichte des Silberbergbaus im Allgemeinen, sowie des Erzabbaus in der „Reichen Zeche“ im Besonderen. Begonnen hatte die Geschichte des Bergbaues in der Region um Freiberg, als um 1168 thüringische Siedler Silbererz entdeckten. In dieser Zeit dürfte auch die Gründung der Stadt Freiberg selbst liegen. Bereits im 12. Jahrhundert wurde in diesem, dem nordöstlichen Teil des Erzgebirges, dem sogenannten Freiberger Revier, Erz abgebaut. Vor allem Blei-, Zink-, Kupfer- und Silbererze waren das Ziel menschlicher Begierde. Mit primitiven Mitteln begannen die Bergleute zur damaligen Zeit Stollen in den Fels zu graben, deren Anzahl bis zum Ende des Abbaus auf über 1000 anwuchs und die bis auf eine Teufe von 700 Meter reichen. Es entstand ein weitläufiges, verschachteltes Gangnetz, das die unterschiedlichen Techniken des Bergbaues in den verschiedenen Epochen vermittelt. Mit Beginn des 20. Jahrhunderts wurde die Erzgewinnung immer unrentabler und endete schliesslich 1913. Bergbau wurde hier nur noch zu Lehrzwecken der Bergakademie Freiberg durchgeführt und es entstand später das heutige Schaubergwerk, wo Besucher einen eindrucksvollen Einblick in Technik und Bedingungen unter Tage bekommen. Bevor wir jetzt wirklich zu unserem Besuch starten und Untertage einfahren, gibt es erst noch einige Hinweise zur ungefähren Wegstrecke und zu den notwendigen Verhaltensweisen. Wenig später versammeln wir uns an den Förderkörben und die erste Gruppe fährt in den Schacht ein. Nach und nach versammeln sich alle auf der ersten Sohle. In einem Schaukasten kann man neben verschiedenen Werkzeugen auch ein Modell von verlegten Sprengladungen zum Erzabau bewundern. Nach einigen weiteren Ausführungen zur Historie und der Vorführung eines pneumatischen Bohrers, steigen wir in einen Lorenzug und fahren ein Stück. Am nächsten Halt steigen wir aus und betreten einen Blindstollen, dem sogenannten „Ziegenstall“, in dem eine lange Tafel untergebracht ist und der durchaus auch für Feiern gemietet werden kann, was sicherlich ein ganz besonderes Flair hat. Da unser Führer unser Interesse und unsere Kenntnis bei Höhlenbegehungen bemerkte, schlug er uns eine Ausdehnung der Tour auch in ältere Teile vor, wo die Stollen teilweise so eng und niedrig wurden, dass man nur noch kriechend hindurch kam. Das war natürlich ganz nach unserem Geschmack. Neben Resten uralter Stützkonstruktionen bekamen wir bizarre Tropfsteingebilde zu sehen. Teilweise über Holzleitern ging es dann wieder langsam hinauf. Nach der ausgedehnten Tour schlossen wir den Tag, mit einem gemütlichen Essen im idyllisch gelegenen „Schwanenschlössche“ und einem Besuch des Freiberger Doms, mit seiner berühmten Silbermannorgel, ab. Danach ging es wieder zurück zum Camp, wo wir sogar noch dazu kamen die letzten warmen Sonnenstrahlen zu geniessen.

Am Sonntagmorgen brechen wir zu einer Wanderung entlang der Bobritzsch auf, die sogenannte Grabentour, die uns entlang des Flüsschens und eines ehemaligen Wasserableitungsgrabens führt, der wechselnd ober- und unterirdisch verläuft. Mehrere Kilometer zieht sich der künstliche Graben, dem wir aber nur Übertage folgen, dahin, nur ab und an von Mundlöchern, sogenannten Röschen, unterbrochen.Nach einiger Zeit erreichen wir Reinsberg, einen kleinen idyllischen Ort, nicht zu verwechseln mit Rheinsberg im Brandenburgischen, der aber zumindest auch ein kleines Schloss zu bieten hat. Wir kehren noch kurz in der Campingplatzgaststätte ein und begeben uns anschliessend auf den Rückweg, der uns wieder entlang der Boberitzsch führt.